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Blumensprache: Laßt Pflanzen dichten

Apfelblüte

Noch prangest du in frischer Jugendblüte,
Dein blaues Auge ist ein Stern der Güte,
Der Perlenzahn, die Lieblichkeit vom Munde,
Sie schlugen manche nie geheilte Wunde.
Doch sollten Dir die selt’nen Zauberblüten
Zerstören selbst der Zeiten rauhes Wüten,
Es schmücken Dich nach dem Verlust auf’s neue
Die Häuslichkeit, die Sanftmut und die Treue.

Brennessel

Ei, Du stichst und brennst wie Feuer
Und verscheuchest alle Freier.

Butterblume

Meine Habe, selbst mein Leben,
Hätt’ ich für Dich hingegeben;
Doch auf all’ mein Tun und Trachten
Scheinst Du nicht einmal zu achten.

Gänseblümchen

Ich liebe Dich mit Herz und Sinn,
Neigt auch Dein Herz sich zu mir hin?

Grashalm

Im Ungemach verlier’ die Hoffnung nicht,
Weil durch’s Gewölk die Sonne schöner bricht!

Kirschblüte

Mein und Dein,
Dein und mein
Wollen wir auf ewig sein!

Primel

Liebliche Blume!
Bist Du so früh schon
Wiedergekommen?
Sei mir gegrüßet
Primula veris?
Mir auch im Herzen
Blühte vor Zeiten
Schöner denn alle
Blumen der Liebe
Primula veris!

Tulpe

Dein Aug' ergötzt der Tulpe Flor,
Doch steigt kein Duft aus ihr empor;
Sie gleicht der Jungfrau schön und zart,
an der man nie Verstand gewahrt!

Quellen:

  • C.F. Bürger (1750): „Die Blumensprache. Ein Buch der Liebe und Freundschaft.“ Neu herausgegeben von Michael Kurzer. Sonderausgabe für Flechsig-Buchvertrieb in der Stürtz Verlag GmbH, Würzburg, ISBN 3-88189-165-X
  • Johann Wolfgang Goethe: „Über Rosen läßt sich dichten. Für Gartenfreunde.“ Ausgewählt von Franziska Günther-Herold. Aufbau Taschenbuchverlag, Berlin. 2000. ISBN: 3-7466-1679-4